26.10.06 – Therapie chronischer Rückenschmerzen

Therapie chronischer Rückenschmerzen ist wissenschaftlich nicht gesichert

24.10.2006 – Chronische Rückenschmerzen gehören zu den teuersten Erkrankungen. Schätzungen zufolge gehen jährlich etwa 16 Milliarden Euro auf das Konto dieser Volkskrankheit. Umso erstaunlicher, dass sich Ärzte bei der Behandlung von Patienten kaum auf evidenzbasierte Daten stützen können, sondern dass die Empirie regiert.

Es gibt eine Fülle von Untersuchungen zu chronischen Rückenschmerzen. Aber von 8.000 veröffentlichten Studien bis zum Jahr 2004 waren nur 1 % randomisiert und nur 17 % prospektiv, berichtete Prof. Dr. Peer Eysel aus Köln. Viele über Jahrzehnte gültige Paradigmen für Diagnostik und Therapie hätten keine solide wissenschaftliche Grundlage. Radiologische Untersuchungen zum Beispiel seien kaum aussagekräftig, sagte Eysel. Bei jedem dritten asymptomatischen Patienten könnten per CT oder MRT auffällige Veränderungen an der Bandscheibe gefunden werden. Konservative kausale Therapien gibt es nach Angaben von Eysel bei chronischen Rückenschmerzen nicht. Belegt sei lediglich die kurzfristige Wirksamkeit von NSAR und lokalen Infiltrationen. Alle anderen Maßnahmen inklusive Physiotherapie und Krankengymnastik seien nicht evidenzbasiert.

Der frühere Grundsatz, Patienten mit akutem Kreuzschmerz zu immobilisieren, ist heute obsolet. Die besten Ergebnisse werden laut Studien bei Patienten erzielt, die weiterhin körperlich aktiv sind, erinnerte Eysel; die schlechtesten bei Patienten, die sich so lange schonen, bis der Schmerz wieder verschwunden ist. Auch psychische Faktoren sind für den Therapieerfolg von erheblicher Bedeutung. Patienten mit Somatisierungsneigung haben ebenso eine schlechte Prognose wie Patienten, die häufig den Arzt wechseln.

Bei Patienten mit sequestriertem Bandscheibenvorfall ist eine Operation sinnvoll, sagte Eysel. Studien zufolge liegt die Erfolgsrate bei 80 % im Vergleich zu knapp 60 % bei konservativer Behandlung. Die Erfolgsraten sinken, je großzügiger die Indikation für eine OP gestellt wird.

Quelle:
Wissenschaftliches Symposium „Chronischer Rückenschmerz“, Prof. Dr. Peer Eysel, Köln;
34. Kongress der Dt. Ges. für Rheumatologie, 20. Jahrestagung der Assoziation für Orthopädische Rheumatologie, 18.-21. Oktober 2006, Wiesbaden
bearbeitet von Univadis@

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